Dienstag, 15. September 2015

Entschleunigung durch analoge Fotografie

Im Coaching empfiehlt man den Menschen oft Achtsamkeitsübungen.
Die analoge Fotografie ist aus meiner Sicht eigentlich die beste Achtsamkeitsübung überhaupt und ich nutze sie auch gezielt zur Entschleunigung.

In meinem letzten Artikel habe ich von dem Kellner an unserem Tisch erzählt, der meine Kamera in der Hand hielt und von seinen Erinnerungen mit ihr erzählt hat. Plötzlich blieb für diesen Kellner, der sonst zwischen den Tischen mit vollen Tabletts hechtete, die Zeit stehen und er lächelte während er erzählte.

Der Takt unseres Alltags läuft immer schneller und wir wuseln durch den Tag und durch die kurze Freizeit unserer Wochenenden.
Besuchen Entspannungskurse und pressen alles mögliche in unsere vorhandene Zeit. Alles muss sofort geschehen und dabei geht uns einfach oft der Blick auf das Wesentliche verloren.



Ich meine es wirklich ernst wenn ich sage: Nimm Dir eine analoge Kamera mit durch den Alltag.




Du hast kein Display, kein Mikrofon, kein sofortiges Ergebnis. Du hast einen analogen Film dabei, der gefüllt werden möchte. Wenn ich Menschen eine analoge Kamera in die Hand drücke, dann gebe ich gleich immer eine Regel mit: "Es darf nicht durch den Sucher geschaut werden". Die Kamera gehört für eine Sekunde an die Hüfte, auf den Boden, ja sogar auf den Kopf. Allein dies entschleunigt sofort. Am Ende des Tages hat man dann meist noch nicht seine Ergebnisse, sondern man muss den Film noch entwickeln lassen. Auch dieses warten entschleunigt uns.
In letzter Zeit gebe ich meine Filme bewusst wieder dort zur Entwicklung, wo ich sie nicht nach einer Stunde, sondern nach einer Woche abholen kann. Ich zwinge mich damit quasi zur Langsamkeit und seitdem ich das mache, genieße ich einfach wieder die Vorfreude auf die Ergebnisse. Klingt irgendwie bescheuert, macht aber Spaß.

Irgendwann hält man dann seine Momentaufnahmen in den Händen und sieht  dann plötzlich Situationen, die man vielleicht im hektischen Alltag wieder vergessen hat, aus einer anderen Perspektive.

Mit der analogen Kamera gehe ich weg von der Masse. Massenhafte Fotos von einem Motiv mache ich mit meiner digitalen Kamera. Mit der analogen stehe ich vor einem Motiv und überlege mir, was ich damit machen werde. Ich habe eine Grafik im Internet gesehen, abgebildet waren ein analoger Film und eine SD Karte. Unter dem Film stand der Satz: Urlaubsfotos 1985, 36 Bilder und 8 sind toll geworden. Unter der SD Karte stand: 2015, 2000 Bilder und 8 sind toll geworden.

Vielleicht hast Du per Google zu diesem Artikel gefunden, weil Du das Wort "Entschleunigung" eingegeben hast. Bevor Du jetzt über Kurse nachdenkst, möchte ich Dir empfehlen, probiere mal die alte Agfa-Kamera aus Deiner Wohnzimmerschublade aus. Es entschleunigt Dich!!

Den Kurs kannst Du ja trotzdem buchen! 



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen