Mittwoch, 7. Oktober 2015

Egoupdate - Die Selfie-Ausstellung

"Selfies sind elektronische Masturbation"
                                                           Karl Lagerfeld

Eine Selfie-Ausstellung klingt etwas bekloppt, ist es aber auch. Ob sich ein Besuch im NRW-Forum in Düsseldorf trotzdem lohnt? 

Also ich muss gestehen, dass ich das Selfie als Kunstform deutlich unterschätzt hatte. 

In welchen unterschiedlichen Situationen Menschen auf die Idee kommen, ihr Handy in die Hand zu nehmen und sich abzubilden ist schon abenteuerlich, aber eben auch unterhaltsam und das macht das Selfie ja auch aus. 

Die Ausstellung beginnt mit einem Künstler, der Promis analoge Kameras in die Hand gedrückt hat, die dann damit ein Selfie von sich selbst geschossen haben. Soll also doch noch einmal jemand sagen, analoge Kameras wären out.

Von Konfetti umgeben steht man plötzlich vor der Selfie-Büste des Rappers "Mc Fitti", der einen Arm weit ausgestreckt hat. Spätestens hier, habe auch ich zu meinem Handy gegriffen und los ging der Selfiewahn. 


Sehr spannend fand ich die Wand, an der Menschen ihren kreierten Game-Avateren gegenübergestellt wurden. Wie sehr unsere Avatare doch ein Teil unserer Wunschwahrnehmung sein können, wird einem hier deutlich. 

Wie blöd man für andere ausschaut wenn man sich für ein Selfie präsentiert, demonstriere ich mal an dieser Stelle. 


Vorbei an der größten Stinkefingerwall eines Museums, ging es dann über in den zweiten Teil der Ausstellung. 


Hier stand man mitten auf einer Halfpipe, die überzogen wurde mit Fußselfies. Auch wieder so ein Phänomen, das vollkommen an mir vorbeigegangen ist und deren Unsinn einem in der Masse erst so richtig deutlich wird. Und doch, ja, ich hab selber eins gemacht. 



Ein Künstler hat sich öffentliche Webcams vorgenommen und hat aus den Bewegtbildern, Momentaufnahmen als Bild erstellt. Dabei ist ein Blick in Wohnzimmer entstanden, in die man lieber nicht blicken wollte. Was bleibt, ist der mahnende Zeigefinger und die innere Stimme, die laut und schließlich heiser brüllt: "Finger weg von öffentlichen Webcams"


Schließlich zeigt die Ausstellung aber auch, wie es möglich ist, durch Hinterlassenschaften von Menschen (Kaugummi, Zigarette etc.), durch seine DNA, ein komplettes Gesicht daraus zu schaffen. Unglaublich spannend. 

So Kai, was nun? Lohnt es sich die Ausstellung zu besuchen? Für 6 Euro pro Person war die Ausstellung nach meinem Geschmack viel zu klein und man war viel zu schnell durch. Was man aber geboten bekommen hat, war wirklich unterhaltsam und sehenswert. Wer sich also für Fotos und Selfies interessiert, sollte diese Ausstellung mal mitnehmen und sich im Anschluss einen schönen Rheinspaziergang gönnen. Bis zum 17.01.2016 habt Ihr hierzu noch die Möglichkeit. 

Eine kleine Geschichte sei aber noch zum Schluß erzählt: 

Meine Schwester postete noch in der Ausstellung folgendes gemeinsames Selfie unter dem Hashtag Egoupdate. 


Als wir später im Foyer beim Essen saßen, fiel unser Blick auf eine Art Litfaßsäule mit Monitor. Es dauerte ein bisschen, bis wir verstanden hatten, dass hier die geposteten Selfies der Ausstellung erscheinen werden. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, bis unser Foto präsentiert wurde. Unser lautes Lachen verriet uns schließlich und alle Blicke gingen in unsere Richtung. 

Merke: Auch Instagram ist öffentlich !!! 




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